Ein recht bunt gemischter Haufen britischer Linker verfasste dieses Jahr das Euston Manifesto, der Mitverfasser und nach eigenen Angaben Marxist Norman Geras ließ sich von der Jungle World interviewen.
Wir wollten einen Minderheitenstandpunkt in der Linken, der im Internet bereits vertreten und über den diskutiert wurde, einer größeren Öffentlichkeit bekannt machen. Die meisten von uns unterstützten den Irak-Krieg als Mittel zur Entmachtung Saddam Husseins. Manche waren nicht für den Krieg, aber auch sie fühlten sich solidarisch mit den Irakern und begrüßten alle Anstrengungen zugunsten eines demokratischen Irak.
Weitere Gemeinsamkeiten bestanden in der Gegnerschaft zu Antiamerikanismus und Antisemitismus, ebenso in der Ablehnung des Terrorismus und der Entschuldigungen, die Linke für Terrorismus vorbrachten.
Kritik am Manifest und Geras‘ Äußerungen wäre zwar zu leisten, doch das Interview ist aus einem anderen Grund durchaus interessant.
Sind Ihnen die Antideutschen ein Begriff?
Haben die etwas mit diesen pro-israelischen Demonstrationen zu tun, von denen in manchen Blogs Fotos zu sehen sind? Von denen habe ich bereits gehört.
Soll heißen: Bis auf wenige Bilder von Demos haben die (post-)antideutschen Anstrengungen anscheinend keinerlei Wirkung außerhalb Deutschlands, wenn nichteinmal britische Bellizisten sie wahrnehmen. Angesichts der aktuellen rassistischen Stimmungsmache ist das beinahe beruhigend. Doch wird so klar, an wen die Postantideutschen sich im Grunde richten: Nicht an Brüder und Schwestern im Geiste, sondern an die Deutschen, die eigentlich keine Bestärkung ihres Rassismus benötigen, die jahrelang als prinzipiell aufklärungsresistent vorgeblich bekämpft wurden.
es stimmt schon, viele antideutsche sind vielzusehr auf deutschland fixiert. entgegen allen beteuereungen sehen sehen sie weiterhin im deutschen ein mögliches transzendentalsubekt. es kann aber nicht auf die antideutschen als solche verallgemeinert werden. und auch die „rassistische stimmungsmache“ wird allenfalls von ein paar versprengten irren unter „den antideutschen“ betrieben.
Ich wüsste nicht, wo ich pauschal allen unter dem Label ‚antideutsch‘ laufenden Menschen Rassismus unterstellt hätte. Stattdessen habe ich wie immer die Kategorie ‚postantideutsch‘ verwendet, die m.E. ihren Sinn hat. Und postantideutschbezeichnet eben die rassistischen, meinetwegen selbsternannten ADs. Diese Postantideutschen sind zwar eine tatsächlich auch in Deutschland recht kleine Gruppierung, klar, doch „ein paar versprengte irre“ nun auch wieder nicht. Leute wie Wilting, Pankow, usw. haben ja zudem ihre Fans. Sie als „Irre“ abzustempeln, ist jedoch ein Fehler: Was sie tun, das tun sie gezielt und mit Bewußtsein. Zudem sind Pathologisierungen grundsätzlich nicht angebracht.
’ne Kritik von trotzkistischer Seite gibt’s hier.
Vorweg: Du hast von (post-) antideutschen Anstrengungen geschrieben und darauf dann die rassistische Stimmungsmache bezogen.
Auch wenn dann später von Postantideutschen die Rede ist, klingt selbst das nur wie eine Diffarmierung aller (post-/antideutschen) als eben postantideutsch.
Nun zur Hauptsache: Warum hast du das überhaupt geschrieben?
Sind diese britischen Linken eine solche Authorität, dass ihre Wahrnehmung Gefahrensensor rassistischer ((post-)antideutscher) Mobilmachung ist?
Die Beträge von Pankow und Co. unterstellst du als Beiträge zu rassistischer Mobilmachung, dann glaubst du, mittels britischer Alibilinker deren Relevanz widerlegen zu können, woraus gefolgert wird, die Post-/Antideutschen (oder wie auch immer man sie nennen mag, das ganze ist de facto doch eh nicht mehr als ein code) seien international nun doch nicht so bedeutend und würden sich ja nur dem deutschen Volksgeist anbiedern wollen.
Surprise, surprise, wenn Texte in deutsch in Deutschland verfasst werden, an wen sollen die sich wohl richten? Und welchen Adressaten haben Demos mit in deutsch gehaltenen Redebeiträgen in deutschen Städten???? Und selbst wenn der Adressat die aufklärungsresistenten Deutschen sind, was ist denn daran grundsätzlich schlimm, bzw. wer sollte es denn sonst sein? Für wen schreibst du das denn hier, wenn du nicht den Funken Hoffnung hast, nicht nur Menschen würden dies lesen, die sich mit irgendwelchen blogs und Kritik an ihnen in anderen blogs worauf wiederum Kritik in weiteren blogs folgt, beschäftigen?
Jemandem einen Vorwurf daraus zu machen, dass er/sie die Hoffnung hat, jedes aufklärungsresistente Bewusstsein sei eben mehr als dieses, hinter jedem Wahn stecke nicht nur Zweckrationalität und deshalb sei der Appell an diesen notwendig, macht den Wahn zum ganz anderen, Deutsche Ideologie zur schrecklichen Alternative der Vergesellschaftung, statt zu einer ihrer Konsequenzen.
Weil britische Intellektuelle die Jugendanitfa nur von Fotos von Surftouren durchs Netz kennen, sind die alle grundsätzlich international bedeutungslos, woraus wiederum die eigenwillige Schlussfolgerung gezogen wird, seit jeher nur nationales Aufsehen erregen zu wollen. Und wer das in Deutschland macht, der muss Postnazi sein. Also ist jetzt agitatorischer Internationalismus Notwendigkeit antideutscher Kritik?
Ich kann mir vorstellen, worauf du hinauswillst.
Vielleicht hast du recht, vielleicht auch nicht. Deine Schlussfolgerungen nachvollziehend ist das allerdings wirklich eine Frage des Glücks.
Wenn du darauf hinauswillst, dass manche Postantideutsche versuchen würden, an deutsche Ressentiments zu appellieren, muss du das anders ausdrücken. Eine solche Anbiederung verläuft eben auch nicht ab wie der einfache Versuch, der Aufklärungsresistenz das Argument entgegenzusetzen. Einen anderen gibt es eh nicht.
Weder lässt sich an diesem Interview die Bedeutung der Postantideutschen ermessen, noch der Antideutschen. Spekulation und damit prinzipiell vorurteilsbekräftigend, kann man in diesem Teil des Interviews entdecken, was man will, obwohl dort einfach nur größtenteils Unkenntnis gegenüber socalled Antideutschen geäussert wird. Nichts weiter lässt sich aus der Aussagen: „Haben die etwas mit diesen pro-israelischen Demonstrationen zu tun, von denen in manchen Blogs Fotos zu sehen sind? Von denen habe ich bereits gehört.“ entnehmen.
Und so lassen sich an manchen Wg-Tischen bestimmt Vermutungen vernehmen, dass man es nun sogar schon die hohen Kreise britischer linksliberaler Intteligenz geschafft hat, während woanders ahlt darüber spekuliert wird, eben solches Aufsehen wollten die doch eh nicht, weil ihr tatsächliches Anliegen immer nur die nationale Mobilmachung oder Teilhabe daran war.
Abstand ist immer mal wieder gut, denn auch das hier interessiert keine Sau im Universum. Die eigene Unbedeutung zu erkennen, kann manchmal den Verstand unglaublich schärfen. Sich selbst und andere nicht für den Nabel der Welt zu halten, verleitet auch nicht zu der Annahme, diese oder jene seien für all den ganzen Scheiss verantwortlich.
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